Horst Webs im Interview

Horst Webs im Interview


Seit 1985 war Horst Webs als Lehrer für Mathematik und Physik in der Prignitz. Nun, nach 40 Jahren im Lehramt, hat sich Horst Webs zur Ruhe gesetzt. Wir hatten die Ehre, ihm am 29. Januar letzte Fragen zu stellen:

GAG-Aktuelle:  Wie und wann kamen Sie auf die Idee, Lehrer zu werden?
Herr Webs: Schon als Grundschüler. Ich wollte schon sehr früh Lehrer werden. Ich hatte eine sehr nette Lehrerin, die den Berufswunsch in mir weckte. Einen anderen wirklich ernsthaften Berufswunsch hatte ich nie.

GAG-Aktuelle: Was haben Sie im Lehrerleben besonders genossen?
Herr Webs:  Die Ferien. *Lachen* Man kann sich seine Zeit besser einteilen. Man ist relativ flexibel mit allem.

GAG-Aktuelle:  Haben Sie jemals bereut, Lehrer geworden zu sein?
Herr Webs:  Solche Momente gab es sicher, aber ich habe sie schon wieder vergessen.

GAG-Aktuelle: Welche Veränderungen am Bildungssystem haben Sie im Laufe Ihrer Karriere
beobachtet?
Herr Webs:  Der mathematisch-naturwissenschaftliche Bereich wurde leider gekürzt zugunsten der allgemeinen Gesellschaftswissenschaften. Die Einheitlichkeit ist verloren gegangen, früher konntest du von Perleberg nach Suhl ziehen und hattest trotzdem den gleichen Lehrplan und die gleichen Lehrbücher…
Es gab ein einheitliches Abitur: Man konnte keine Fächer abwählen, alle mussten eine Matheprüfung schreiben, einen Deutschaufsatz schreiben. Das Wahlsystem ist nicht immer von Vorteil denke ich. Ich glaube auch, dass die Einstellung der Schüler insgesamt schlechter
geworden ist durch den Einfluss der sozialen Medien. Eine positive Veränderung ist allerdings, dass es keinen Samstagsunterricht mehr gibt.

GAG-Aktuelle:  An welche besonderen Momente erinnern Sie sich gerne zurück?
Herr Webs: Es gibt viele schöne Momente mit Eltern, Schülern, Kollegen bei Feiern, Ausflügen und Wandertagen, sowie gemeinsame Abschlussfahrten. Besondere Momente waren meine Dienstreisen nach Spanien und England im Rahmen des Comenius-Programm an der Wittenberger Friedrich-Ludwig-Jahn-Grundschule.
Die letzten schönen Momente, an die ich mich gern erinnere, hatte ich mit meiner Klasse im vergangenen Schuljahr.

GAG-Aktuelle:  Wie schätzen Sie – besonders jetzt als fast Ruheständler – die Anerkennung Ihres Berufes in der Gesellschaft ein und hat sich dies im Laufe der Jahre verändert?
Herr Webs: Ich finde die Anerkennung des Lehrerjobs hat in der Gesellschaft nachgelassen. Die Lehrer sind heutzutage nicht mehr nur Wissensvermittler, sondern mehr und mehr Erzieher. Ich weiß nicht, ob ihr das kennt, aber wenn etwas zu Hause nicht läuft, sind meist die Lehrer Schuld.

GAG-Aktuelle:  Gibt es etwas, was Sie während Ihrer Arbeitszeit nie tun konnten und was Sie im Ruhestand nachholen möchten?
Herr Webs:  Mehr Zeit für Hof und Garten haben. Mehr Fahrradfahren. Ich kann jetzt außerhalb der Saison Urlaub machen.

GAG-Aktuelle:  Was geben Sie den Schülern, welche Sie nun verabschieden, mit auf den Weg?
Herr Webs:  Bleibt wie ihr seid, macht was aus euch. Der Lehrer sagt, ihr lernt nicht für den Lehrer, ihr lernt nicht für die Eltern, ihr lernt für euch. Und achtet darauf, dass ihr immer die richtigen Freunde findet.


Text: Elias Klann und Elias Logge
Bilder: Elias Logge

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